Vielfältige Haftungsrisiken für Verwaltungsräte

Von Aurel Ritz* (Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" am 03. Juli 2014. Mit freundlicher Genehmigung der "Neuen Zürcher Zeitung")

 

erwaltungsräte sind gut beraten, sich mit Haftungsrisiken für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu befassen. In erster Linie muss zwar die Gesellschaft die von ihr geschuldeten Steuern und Sozialversicherungsabgaben bezahlen. Geschieht dies allerdings nicht, sehen die einschlägigen Gesetze vor, dass die Verwaltungsräte für die Ausstände belangt werden können.

 

Diese haften dabei solidarisch für ausstehende Verrechnungssteuerforderungen, falls die Gesellschaft ihren Sitz ins Ausland verlegt oder liquidiert wird. Die Haftung erfasst die formelle Liquidation der Gesellschaft und die Verwertung aller oder wesentlicher Gesellschaftsaktiven mit anschliessender Zuführung des erzielten Erlöses an die Beteiligungsinhaber, ohne dass die Gesellschaft formell aufgelöst wird. Ein Haftungsrisiko für den Verwaltungsrat besteht insbesondere bei ausländischen Beteiligten, welche die Gesellschaft aushöhlen. Zwar besteht die Möglichkeit, sich unter bestimmten Voraussetzungen von der Haftung zu befreien. Die Anforderungen sind jedoch nach der geltenden Rechtsprechung hoch und nur schwierig zu erfüllen.

 

Eine ähnliche Haftung besteht für Forderungen der direkten Bundessteuer und je nach kantonalem Recht für entsprechende kantonale Steuern. Weiter kann für ausstehende Mehrwertsteuerforderungen auf den Verwaltungsrat zugegriffen werden. Praxiserfahrungen zeigen, dass die Steuerverwaltung von dieser Möglichkeit vermehrt Gebrauch macht. Weil die Mehrwertsteuer auf dem steuerbaren Umsatz geschuldet ist, können bedeutende Ausstände anfallen.

 

Für ausstehende Steuerforderungen besteht eine solidarische Haftung; jedes Verwaltungsratsmitglied kann also alleine für den ganzen Steuerausstand belangt werden. Regressanspräche gegenüber anderen Verwaltungsratsmitgliedern müssen vom Belangten geltend gemacht werden.

 

Darüber hinaus droht dem Verwaltungsrat auch die Gefahr, für Sozialversicherungsbeiträge aufkommen zu müssen, die von den Sozialversicherungsbehörden bei der Gesellschaft nicht eingetrieben werden können. Die Rechtsprechung stellt hohe Anforderungen an die Sorgfalt, die der Verwaltungsrat walten lassen muss, um für nicht bezahlte Beiträge nicht einstehen zu müssen.

 

Um Überraschungen zu vermeiden, ist es ratsam, sich über Steuer- und Sozialversicherungsrisiken zu informieren. Es ist für die korrekte Deklaration und Bezahlung der Steuern und Sozialversicherungsabgaben zu sorgen und regelmässig darüber zu wachen, dass die Deklarations- und Zahlungspflichten erfüllt werden.




lic. iur. Aurel Ritz

  * lic. iur. Aurel Ritz, Senior Tax Consultant bei Tax Advisors & Associates Ltd. in Zürich. Seine Beratungsschwerpunkte umfassen: Tax Compliance für natürliche und juristische Personen, Mehrwertsteuerabrechnungen, Fragen zur nationalen und internationalen Doppelbesteuerung, Beratung im Zusammenhang mit Versicherungsunterstellungen AHV und BVG (inklusive Anwendung EU-/EFTA-Abkommen sowie Sozialversicherungsabkommen) sowie Beitragsobjekt AHV.